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Tagesgeld oder Festgeld für 20.000 € – was macht bei aktuellen Zinsen mehr Sinn?

Kategorie: Sparen-und-Tagesgeld  ·  erstellt von Sigurd P.  ·  24. Dez 2025, 09:36  ·  15 Antworten · 2792 Aufrufe

Moin zusammen,

ich hab seit ungefähr nem halben Jahr rund 20.000 € auf meinem Girokonto rumliegen und das frisst mich langsam auf. Ich weiß, ich weiß – da macht das Geld nix, außer schön anzuschauen. Als Selbstständiger hab ich das Geld ursprünglich als Puffer geparkt, falls mal Aufträge wegbrechen oder eine große Maschine kaputtgeht. Deswegen: Aktien kommen für diesen Teil nicht in Frage. Das muss sicher sein.

Jetzt überlege ich ob ich das auf ein Tagesgeldkonto packe oder ob ich vielleicht 12 oder 24 Monate festlege. Tagesgeld hat den Vorteil dass ich rankomme wenns brennt, Festgeld soll ja aktuell aber höhere Zinsen bringen. Hab mal kurz gegoogelt – Tagesgeld liegt so bei 3,0–3,5%, manche Festgeldangebote für 12 Monate anscheinend bei 3,5–4%? Keine Ahnung ob das noch aktuell ist.

Was mich beschäftigt: Die EZB hat ja angeblich schon angefangen die Zinsen zu senken. Wenn ich jetzt Festgeld nehme und die Zinsen danach weiter fallen, hab ich mir für 12-24 Monate einen guten Satz gesichert. Wenn ich aber Tagesgeld nehme und die Zinsen doch irgendwie oben bleiben... naja, dann hab ich den Vorteil der Flexibilität.

Ich bin kein Finanzprofi, ich hau Kabel durch Wände. Deswegen frag ich euch: Was würdet ihr aktuell machen? Und gibts Anbieter die ihr empfehlen könnt – oder auch warnt? 😄

Danke schonmal

— Vertrau keinem Banker, der dir was verkaufen will.

Hallo Sigurd,

eine sehr vernünftige Frage – und ich finde es gut, dass du dir bewusst bist, dass dieser Betrag als Puffer eine andere Funktion hat als Anlagegeld.

Zur Lage: Die EZB hat im Juni 2024 tatsächlich die erste Zinssenkung seit Jahren vorgenommen (um 0,25 Prozentpunkte), und weitere Senkungen werden von Analysten für 2025 erwartet. Das spricht dafür, dass Festgeldzinsen mittelfristig sinken werden. Wer jetzt für 12 oder 24 Monate festlegt, sichert sich also das aktuelle Niveau.

Ich habe selbst im April dieses Jahres 15.000 € für 12 Monate bei der ING zu 3,75% festgelegt. Die Konditionen sind inzwischen leicht gesunken, aber Anbieter wie Renault Bank direkt oder PBB Direkt haben noch attraktive Sätze. Auf Vergleichsportalen wie Biallo oder Verivox findet man tagesaktuelle Übersichten.

Ein Hinweis: Da du das Geld als Notfallpuffer nutzt, würde ich nicht alles festlegen. Vielleicht 10.000 € Festgeld und 10.000 € Tagesgeld – dann hast du Flexibilität und trotzdem einen besseren Zinssatz für den Teil, den du nicht so schnell brauchst.

— Sicherheit geht vor – Rendite kommt danach.

Servus Sigurd,

aus Wiener Sicht kurz ergänzt: Das Grundproblem ist, dass du als Selbstständiger eigentlich zwei Töpfe brauchst. Einen echten Notfalltopf (sofort verfügbar) und einen Anlagetopf (kann ruhig für 12 Monate weg). Den Fehler, beides in einen Topf zu werfen, sehe ich ständig bei Klienten.

Die Aufteilung von @Festgeld_Friederike klingt vernünftig. Ich würde sogar sagen: Wenn du als Elektriker-Selbstständiger weißt, dass du locker 3-4 Monate ohne größere Ausgaben überbrücken kannst, dann könnten auch 15k Festgeld + 5k Tagesgeld passen.

Zum Zinsausblick: Ich würde nicht darauf wetten, dass die Zinsen 2025 stabil bleiben. Die Swapkurven preisen aktuell 2-3 weitere EZB-Senkungen ein. Wer also jetzt für 24 Monate zu ~3,5% festlegt, wird in 18 Monaten wahrscheinlich gut ausgesehen haben. Aber Glaskugel hab ich auch keine. 😄

— AT-Perspektive manchmal anders – aber oft ähnlich.

alter 20k einfach auf dem giro liegn lassn ist ja fast kriminell 😂 ich hab 2000€ auf tagesgeld und fühle mich schon wie warren buffet lol

ernsthaft aber, ich würd das einfach splittn wie die anderen sagn. die hälfte fest, hälfte flexibel. klingt langweilig aber ist halt das vernünftigste oder?

— hauptsache kein minus am monatsende lol

Ein steuerlicher Hinweis, der in solchen Diskussionen oft vergessen wird:

Bei 20.000 € und einem Festgeldzins von z.B. 3,6% für 12 Monate fallen 720 € Zinsen an. Abzüglich des Sparerpauschbetrags von 1.000 € (Stand 2024, Einzelveranlagung) wären diese Zinsen für sich genommen steuerfrei – sofern du keine weiteren Kapitalerträge hast.

Falls du verheiratet bist, verdoppelt sich der Pauschbetrag auf 2.000 €. Das sollte man im Blick haben, wenn man entscheidet, ob man Freistellungsaufträge korrekt verteilt hat. Vergiss nicht, beim neuen Anbieter einen Freistellungsauftrag einzurichten – sonst zieht die Bank automatisch 25% Abgeltungssteuer + Soli ab, und du musst das über die Steuererklärung zurückholen.

Inhaltlich schließe ich mich der Aufteilungsempfehlung an. Für die Festgeldseite würde ich auf Einlagensicherung achten: EU-Länder mit funktionierendem Einlagensicherungssystem (Deutschland, Österreich, Niederlande) sind bei 20.000 € problemlos abgedeckt bis 100.000 €.

— § 20 EStG ist kein Fremdwort.

Guten Tag Sigurd,

ich bin auch aus Dresden und habe das Thema letztes Jahr für mich durchgekaut. Ich hab mich am Ende für Festgeld bei der DKB entschieden, 12 Monate, damals noch 3,85%. Jetzt läuft es im Oktober aus und ich bin gespannt was dann noch geht.

Was ich sagen kann: Das läuft völlig unkompliziert, man bekommt am Ende die Zinsen auf einmal aufs Konto und gut ist. Keine bösen Überaschungen. Für jemanden der kein Finanzfan ist – und ich zähle mich da durchaus dazu trotz allem – war das genau das Richtige.

Den Tip mit dem Freistellungsauftrag von Sebastian solltest du wirklich beherzigen. Ich habs damals glatt vergessen und musste tatsächlich über die Steuererklärung nachfassen. War kein Drama aber unnötige Arbeit.

— Man lernt nie aus – auch nicht mit 68.

Hey Sigurd! 😊

Ich finde die Aufteilung die hier alle vorschlagen wirklich gut. Ich mach das selbst so ähnlich: Tagesgeld bei der Trade Republic (aktuell 3,75% p.a. aufs Guthaben, ist eigentlich kein klassisches Tagesgeld aber funktioniert ähnlich) für den flexiblen Teil, und Festgeld extra für den Teil der wirklich nicht gebraucht wird.

Was ich noch ergänzen würde: Schau dir die Neukundenaktionen an, aber pass auf wie lange die gelten! Bei manchen Anbietern gilt der Lockzins nur 3-4 Monate, dann fällst du auf den Standardzins runter. Das ist beim Tagesgeld das klassische Problem. Beim Festgeld ist der Zins für die gesamte Laufzeit garantiert – das finde ich bei der aktuellen Zinssituation eigentlich den größten Vorteil. 💪

Und ja, was Sebastian über den Freistellungsauftrag sagt – unbedingt machen! Hab das auch mal vergessen, war ärgerlich.

— Wenig Gehalt, viel Disziplin. Geht auch! 💪
Zuletzt bearbeitet von Hannah K. am 28. Dez 2025, 16:04 – Grund: Link zu Trade Republic ergänzt (war noch nicht drin)

Also ich sag mal so: Als Schwabe find ich's schon fast körperlich schmerzhaft, dass da 20k unverzinst auf'm Giro liegt. 😄

Aber im Ernst – ich hab letzten Sommer 18.000 € aufgeteilt: 8k Tagesgeld ING (damals 4% Neukundenbonus, jetzt halt weniger), 10k Festgeld 12 Monate bei der Renault Bank direkt zu 3,9%. Bin gut damit gefahren.

Für 24 Monate würde ich persönlich aktuell nicht mehr gehen – die Differenz zum 12-Monats-Zins ist klein und du bindest dich doppelt so lang. Wenn sich die Zinslage in 12 Monaten anders darstellt, kannst du neu entscheiden. Flexibilität hat auch einen Wert.

— Schaffe, schaffe, Häusle baue – und ETFs kaufe.

Wow, da hab ich mal mit ein paar Antworten gerechnet und krieg gleich nen ganzen Beratungsmarathon 😄 Danke euch!

Die Aufteilung macht Sinn, das leuchtet mir ein. Als Selbstständiger hab ich zwar meistens genug Aufträge, aber letzten Winter war's mal zwei Monate mau – da war ich froh dass ich auf alles zugreifen konnte. Also vielleicht wirklich 8-10k Tagesgeld, Rest Festgeld.

@SteuerSparSebastian – der Hinweis mit dem Freistellungsauftrag ist Gold wert. Hab ich tatsächlich noch nie drüber nachgedacht. Ich hab keine weiteren Kapitalerträge, also sollte ich da im Rahmen bleiben. Muss ich aber mal checken ob ich überhaupt schon einen gestellt hab irgendwo.

@SchwäbischerSparer_HG – Renault Bank direkt hab ich auch schon gesehen, klingt komisch aber die sind ja in Deutschland reguliert oder?

— Vertrau keinem Banker, der dir was verkaufen will.

Zur Frage von Sigurd wegen Renault Bank direkt: Ja, die ist als Niederlassung in Deutschland tätig und fällt unter die deutsche gesetzliche Einlagensicherung (EdB) bis 100.000 € pro Kunde. Kein Problem bei 20.000 €.

Ich möchte noch einen Aspekt einbringen, der hier noch nicht erwähnt wurde: Als Selbstständiger solltest du sicherstellen, dass dieser Betrag wirklich privates Geld ist und nicht betriebliches Vermögen, das du vielleicht für Steuervorauszahlungen oder Umsatzsteuer brauchst. Falls da Umsatzsteuer drinsteckt, die in Q3 oder Q4 fällig wird, wäre Tagesgeld für diesen Teil Pflicht – Festgeld wäre dann das falsche Instrument.

Das klingt pingelig, aber ich habe schon Mandanten erlebt, die Betriebsmittel festgelegt hatten und dann kurzfristig Liquiditätsprobleme bekamen.

— Nicht jede Versicherung braucht man. Aber manche wirklich.

@VersicherungsVormund_Volker guter Punkt! Daran hätte ich gar nicht gedacht als Angestellte. 😅

Ich wollte noch kurz was zu den Vergleichsportalen sagen – ich nutze für sowas immer Biallo.de, die haben eine sehr übersichtliche Festgeldtabelle wo man nach Laufzeit filtern kann. Keine Werbung, ich find's einfach praktisch. Da sieht man auch gleich welche Banken unter welchem Einlagensicherungssystem fallen.

Was ich persönlich gemacht habe: 6.000 € Tagesgeld (mein Notgroschen, den ich wirklich nie anfasse außer in echten Notfällen) und den Rest in einem 12-Monats-Festgeld. Schläft sich gut damit! 😊

— Finanzen müssen auch für Nicht-Nerds verständlich sein 😊

Ich möchte mal kurz die Gegenposition einnehmen, weil hier alle sehr einig sind:

Tagesgeld hat aktuell bei manchen Anbietern kaum noch Zinsnachteile gegenüber Festgeld. Trade Republic zahlt 3,75%, Scalable Capital auch ähnlich – ohne Bindung. Die Differenz zu einem 12-Monats-Festgeld ist vielleicht 0,2-0,4 Prozentpunkte. Bei 10.000 € Festgeldanteil sind das 20-40 € Unterschied pro Jahr. Dafür kannst du bei Tagesgeld jederzeit umschichten.

Das ist kein Argument gegen Festgeld – aber ich finde man sollte realistisch einschätzen, wofür man sich eigentlich bindet. Wenn der Unterschied so klein ist, spricht auch einiges für volle Flexibilität. 🤔

Meine persönliche Entscheidung war: Alles Tagesgeld, weil ich innerhalb von 12 Monaten einen Autokauf plane. Jeder hat andere Umstände.

— Ein Haushaltsbuch rettet keine Welt, aber das Budget.
BudgetBrigitte_DO schrieb:Die Differenz zu einem 12-Monats-Festgeld ist vielleicht 0,2-0,4 Prozentpunkte. Bei 10.000 € Festgeldanteil sind das 20-40 € Unterschied pro Jahr.

Das ist ein fairer Punkt, Brigitte. Allerdings würde ich das etwas differenzieren: Die 3,75% bei Trade Republic oder Scalable sind keine klassischen Tagesgeldkonten, sondern Geldmarktfonds-Renditen die durch ein Verrechnungskonto durchgereicht werden. Das ist technisch etwas anderes und auch nicht mit der klassischen deutschen Einlagensicherung abgedeckt – jedenfalls nicht auf die gleiche Weise.

Für die meisten Privatanleger macht das keinen Unterschied, aber bei dem Sicherheitsbedürfnis das Sigurd beschreibt, würde ich das zumindest erwähnen. Wer auf 100% klassische Einlagensicherung besteht, fährt mit einem echten Tagesgeld bei einer regulären Bank besser.

— AT-Perspektive manchmal anders – aber oft ähnlich.
Zuletzt bearbeitet von Thomas H. am 05. Feb 2026, 07:43 – Grund: Klarstellung zur Einlagensicherung ergänzt

Ich find die Diskussion hier echt gut aber ich glaub Sigurd weiß jetzt auch nicht mehr ob er lachen oder weinen soll 😂

Kurz zusammengefasst was ich mitgenommen habe (für mich selbst auch lol):

  • Notfallteil → Tagesgeld, wirklich klassisches bei einer richtigen Bank
  • Rest den man 12 Monate nicht braucht → Festgeld, sichert aktuellen Zins
  • Freistellungsauftrag nicht vergessen!
  • 24 Monate lohnt kaum gegenüber 12 Monaten gerade

Ob man jetzt ING, DKB, Renault Bank oder wen auch immer nimmt ist fast egal solange man die Einlagensicherung checkt. 🙂

— ETF-Sparplan mit 20 gestartet – hab ich mir sagen lassen 😁

Sorry für den späten Einstieg – aber ich wollte noch eine Perspektive ergänzen die bisher fehlte.

Es wurde viel über den optimalen Split geredet, aber kaum über die konkrete Anbieterauswahl unter Sicherheitsgesichtspunkten. Kurze Checkliste die ich immer durchgehe:

  1. Ist die Bank in Deutschland oder einem anderen EU-Land mit solider Einlagensicherung (nicht Bulgarien oder Rumänien, die Systeme dort sind theoretisch sicher aber praktisch weniger erprobt)?
  2. Gibt es eine direkte IBAN und kein Treuhandkonto?
  3. Wie einfach ist die Kontoeröffnung und gibt es einen seriösen Kundendienst?

Nach diesen Kriterien landet man bei Sigurds Budget fast automatisch bei DKB, ING, Consorsbank oder eben Direktbanken wie Renault Bank direkt (DE-reguliert). Alle solide. Die Zinsunterschiede zwischen denen sind marginal.

Was ich für 20.000 € mit Sicherheitsfokus konkret tun würde: 8.000 € Tagesgeld ING oder DKB, 12.000 € Festgeld 12 Monate Renault Bank direkt oder PBB Direkt. Fertig. Nicht überkomplizieren.

— Österreich ist nicht Deutschland — aber Sparen geht überall.

ey @JungInvestorin_Mia deine zusammenfassung ist besser als alles andere hier 😂 könnte man als sticky pinnen

@SkeptischerSigurd und? haste dich schon entschiedn oder liegn die 20k immer noch auf'm giro lol

— hauptsache kein minus am monatsende lol
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