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Sabbatical Finanzen neu starten – hat das schon jemand wirklich durchgezogen?

Kategorie: Off-Topic  ·  erstellt von Tobi_Azubi  ·  27. Mär 2025, 09:43  ·  14 Antworten · 1176 Aufrufe

okay ich weiß der titel klingt komisch für jemanden der noch azubi ist 😅 aber ich frag halt trotzdem mal weil ich hier die klügsten köpfe vermute lol

also ich bin gerade im 2. lehrjahr einzelhandel, dortmund, 638€ netto. mein kumpel hat letztens erzählt dass sein bruder 6 monate einfach alles hingeschmissen hat und danach irgendwie besser drauf war finanziell UND mental. und ich dachte mir — alter, das will ich auch mal. nicht jetzt natürlich, aber so in 3-4 jahren vielleicht nach der ausbildung wenn ich nen richtigen job hab.

was mich aber echt beschäftigt: wie soll das gehen?? also konkret meine fragen:

  • wie viel muss ich angespart haben damit das nicht zum totalabsturz wird?
  • was passiert mit krankenversicherung, rentenversicherung usw wenn man einfach aufhört?
  • und der wiedereinstieg — hat das wirklich geklappt oder ist man danach der looser der überall abgelehnt wird weil "lücke im lebenslauf"?

ich überleg auch ob man das vielleicht mit nem auslandsaufenthalt verbinden kann oder so working holiday oder sowas. aber erstmal wissen ob das überhaupt realistisch ist für normalmenschen ohne riesiges erbe 😂

wer hat das gemacht oder kennt jemand der das gemacht hat? was habt ihr finanziell vorbereitet und was hat euch überrascht?? danke schonmal im vorraus 🙏

— 638€ netto, trotzdem Sparplan. Irgendwie. 😅

Gute Fragen, auch wenn die Situation als Azubi das Thema noch etwas abstrakt macht. Trotzdem sinnvoll, früh darüber nachzudenken.

Zur Faustregel für die Rücklage: Die meisten Finanzplaner empfehlen für ein 6-Monats-Sabbatical mindestens 8–10 Nettomonatsgehälter angespart zu haben — nicht nur 6. Warum? Weil der Wiedereinstieg selten sofort klappt, oft noch 2–3 Monate Bewerbungsphase drankommen, und weil man unterschätzt, was man unterwegs ausgibt.

Zur Krankenversicherung: Wer aus dem Angestelltenverhältnis ausscheidet, muss sich selbst um die KV kümmern. Freiwillige gesetzliche KV liegt je nach Einkommen (bei keinem Einkommen gilt ein Mindestbeitrag) bei ca. 220–250 € im Monat. Das ist ein echter Kostenfaktor, den viele vergessen.

Rentenlücke: 6 Monate ohne Einzahlung kosten dich bei aktuellem Rentenwert ca. 0,15–0,2 Entgeltpunkte — das sind am Ende vielleicht 3–5 € weniger Rente im Monat. Vernachlässigbar, wenn man jung ist.

Die Lücke im Lebenslauf ist heute für die meisten Arbeitgeber kein K.O.-Kriterium mehr, solange man erklären kann, was man gemacht hat.

— Zinseszins ist kein Mythos. Rechnet selbst nach.

@ZinsZählerZeno hat das gut zusammengefasst. Ich ergänze noch was aus eigener Erfahrung: Ich hab 2021 vier Monate Auszeit gemacht, kein klassisches Sabbatical, ich hab einfach gekündigt und war in Portugal.

Was mich überrascht hat: Die fixen Kosten laufen weiter. Miete, GEZ, Handy, Versicherungen — ich hatte daheim noch eine Wohnung laufen, das waren jeden Monat gut 900 € Grundrauschen, ohne dass ich irgendwas Besonderes gemacht hab. Dazu Portugal-Kosten. Ich hab am Ende mit ca. 1.400 € pro Monat gerechnet und landete bei 1.700 €.

Was ich empfehle: Vor dem Sabbatical alle laufenden Verträge durchgehen und kündigen oder pausieren was geht. Streaming-Abo, Fitnessstudio, was auch immer.

Und ja, der Wiedereinstieg hat bei mir 6 Wochen gedauert. Ich war Ingenieur mit 5 Jahren Erfahrung — der Markt war gut. Wenn du in einer Branche arbeitest wo Fachkräftemangel herrscht, ist das kein Problem. Einzelhandel kenn ich nicht gut genug um das einzuschätzen.

— Monatlich 200 € in den MSCI World – seit 5 Jahren.

ey bruder ich komm auch aus dem einzelhandel, kiel hier 😄 ich sag dir wie's ist: nach der ausbildung 3-4 jahre warten und dann sabbatical — das ist realistisch wenn du konsequent sparst.

ich kenn zwei leute die das gemacht haben. einer ist danach zum mitbewerber gewechselt mit mehr kohle weil er in der auszeit gemerkt hat was er eigentlich will. der andere hat n online-kurs gemacht und ist jetzt kaufmännischer sachbearbeiter. beide happy 👍

die "lücke im cv" ist echt kein ding mehr. sag einfach du warst reisen und persönlich weiterentwickeln. klingt sogar gut lol

— Wer nix spart, hat auch nix 😄

Zur Krankenversicherung noch ein konkreter Hinweis, weil @ZinsZählerZeno das kurz angesprochen hat:

Wenn du ins Ausland gehst (Working Holiday, z.B. Australien, Neuseeland, Kanada), brauchst du sowieso eine separate Auslandskrankenversicherung. Die GKV zahlt da so gut wie gar nichts. Eine Jahres-Reisekrankenversicherung für Langzeitreisende (12 Monate) kostet je nach Anbieter zwischen 400–700 €. DR-Walter, Allianz Care, HanseMerkur haben da ganz passable Tarife. Das ist deutlich günstiger als die freiwillige GKV weiterzuführen, wenn du sowieso nicht in Deutschland bist.

Aber Achtung: Wenn du länger als 3 Monate auslandskrankenversichert bist und dann zurückkommst ohne Job, brauchst du sofort wieder GKV. Da gibt's Fristen. Nicht auf die lange Bank schieben.

— Versicherungen: Nur was wirklich nötig ist.
Zuletzt bearbeitet von Veit M. am 16. Apr 2025, 06:15 – Grund: Anbieternamen ergänzt

Sabbatical als Azubi planen — i mog den Enthusiasmus 😂 In der Ausbildung spar i erstmal auf die Ausbildung fertigmachen hin, Burschi!

Aber im Ernst: Mein Schwager hat 2019 ein halbes Jahr Pause gemacht, 34 damals, KFZ-Branche. Hat vorher 2 Jahre lang extra angespart, ca. 15.000 € Puffer aufgebaut zusätzlich zum Notgroschen. Wohnung hat er untervermietet — das war der cleverste Move. Hat dann Spanisch gelernt und ist jetzt bei einem Importeur mit 20% mehr Gehalt. Manchmal zahlt die Pause sich halt aus 😅

Die Untervermietung der Wohnung is unterschätzt. Senkt die laufenden Kosten massiv. Muss man halt rechtlich abklären mit dem Vermieter aber geht meistens.

— Mia san sparsam – a bissl zumindest 😅

Ich lese hier aufmerksam mit und finde es schön, dass junge Menschen so vorausschauend planen. Zu meiner Zeit gab es sowas nicht.

Was ich aus meiner Berufslaufbahn in der Verwaltung sagen kann: Ich kenne Kollegen, die in den 1990er Jahren längere Auszeiten genommen haben — damals noch sehr ungewöhnlich. Die meisten sind gut weggekommen. Eine Kollegin hat sogar eine Beförderung bekommen danach, weil sie in der Auszeit einen Verwaltungskurs belegt hatte.

Was ich als Rentnerin ergänzen möchte: Passt auf die Rentenpunkte auf. Sechs Monate sind nicht dramatisch, aber wenn man öfter Auszeiten nimmt, summiert sich das. Ich hab früher nicht genug drüber nachgedacht und bereue das ein wenig. Freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse sind möglich, wenn man das ausgleichen möchte.

— Man lernt nie aus – auch nicht mit 68.

alter 8-10 monatsgehälter ansparen klingt für mich nach nem jahrzehnt lol 😅 aber okay ich versteh die logik

ich hätt noch ne frage an die die das gemacht haben: habt ihr den sparplan/etf während der auszeit weiterlaufen lassen oder gestoppt? ich würd instinktiv sagen stoppen, aber vielleicht ist das auch dumm wenn der markt gerade günstig ist?

— Ich zähl jeden Cent. Is halt so.
PfennigfuchserPaul_OWL schrieb:habt ihr den sparplan/etf während der auszeit weiterlaufen lassen oder gestoppt?

Ich hab gestoppt. Nicht weil ich's für falsch hielt, sondern weil ich den Cashflow brauchte. Wenn du genug Puffer hast dass der Sparplan nicht wehtut — weiterlaufen lassen. Aber die meisten haben in dieser Situation den Puffer lieber als Cash und nicht investiert. Psychologisch auch verständlich.

Was ich nicht gestoppt hab: die Berufsunfähigkeitsversicherung. Die läuft weiter, auch ohne Einkommen. Sonst verlierst du möglicherweise den Versicherungsschutz oder bekommst Probleme beim Wiedereinstieg in den Vertrag.

— Monatlich 200 € in den MSCI World – seit 5 Jahren.

Ich hab meine Auszeit nicht Sabbatical genannt, aber 1998 hab ich zwischen zwei Jobs 7 Monate Pause gemacht — damals war das tatsächlich mutig. Ich war 41, Ingenieur, zwei Kinder.

Was ich gelernt hab: Der psychologische Druck nach Monat 4 wird unangenehm. Man fängt an zu rechnen, ob das Geld reicht, man grübelt ob man überhaupt noch jemanden interessiert. Das ist normal aber unterschätzt. Wer das nicht kennt, wird davon überrumpelt.

Praktisch: Ich hatte einen konkreten Wiedereintrittstermin festgelegt — also mir selbst gesagt: Spätestens am 1. März fang ich wieder an zu bewerben. Das hat sehr geholfen. Nicht treiben lassen.

Und: Ich hab damals einen kleinen Freelance-Auftrag in der Auszeit gemacht, 3 Wochen, für einen alten Kontakt. Das hat die Kasse aufgefüllt und das Gefühl gegeben, noch gebraucht zu werden. Kann ich empfehlen.

— 40 Jahre gearbeitet, jetzt wird optimiert.

Als Gymnasiallehrer kenne ich das Sabbatical aus einer ganz anderen Perspektive — im Beamtenstatus ist das ein offiziell geregeltes Modell (Arbeitszeitkonto, man spart Jahre an). Für Angestellte in der Privatwirtschaft ist es das eben nicht, da muss man es selbst finanzieren.

Was ich meinen Schülern sagen würde, sage ich hier auch: Plant das Sabbatical nicht als Flucht, sondern als Investment. Was kommt danach raus? Neue Qualifikation? Sprachkenntnisse? Klarheit über den Berufsweg? Das macht den Unterschied ob Arbeitgeber das honorieren oder die Stirn runzeln.

Zu den konkreten Zahlen: @ZinsZählerZeno liegt richtig mit den 8–10 Monatsgehältern. Ich würde sogar sagen: plant 12 Monate ein wenn ihr 6 Monate Auszeit nehmt. Die Differenz ist euer Sicherheitspuffer. Wer mit exakt 6 Monatsgehältern reingeht, steht nach 5 Monaten unter echtem Druck.

— 25 Jahre Sparplan – ich hab's gesehen.

Interessanter Thread. Ich überleg auch manchmal ob ich nach dem Studium erstmal eine längere Pause mache bevor ich ins Assistenzarztwesen einsteige — in der Medizin ist das aber wirklich noch verpönt, leider.

Was ich zum Thema Working Holiday beitragen kann: Für Australien z.B. gibt's das Working Holiday Visa (417), man darf bis zu 6 Monate bei einem Arbeitgeber arbeiten und kann so die Reise teilfinanzieren. Das senkt den nötigen Puffer erheblich. Ich kenn Leute die damit 12 Monate unterwegs waren und netto kaum was verbraucht haben weil sie zwischendurch gearbeitet haben.

Für Einzelhandel ist das eigentlich ideal — die Qualifikation ist international halbwegs übertragbar.

— BAföG reicht nicht, also ETF.

Ich möchte noch einen Punkt ergänzen, der hier noch nicht explizit stand: die Berufsunfähigkeitsversicherung während der Auszeit.

@Sparplan_Sören_HB hat das kurz erwähnt, aber ich konkretisiere: Wenn man eine BU hat und die Beitragszahlungen aussetzt (manche Tarife haben eine Beitragspausierung), muss man prüfen ob der Versicherungsschutz in dieser Zeit überhaupt noch besteht. Bei manchen Tarifen ja, bei manchen nein. Das unbedingt mit dem Versicherer klären, bevor man kündigt.

Außerdem: Wer noch keine BU hat und nach dem Sabbatical einen neuen Job antritt, wird bei der Gesundheitsprüfung für die BU eventuell schlechter gestellt wenn in der Auszeit gesundheitliche Ereignisse waren. Klingt kleinlich, ist aber ein echter Fallstrick.

Für den OP: Als Azubi erstmal BU abschließen (solange jung und gesund, günstiger Einstieg), dann Sabbatical planen. In dieser Reihenfolge.

— Versicherungen: nur das, was wirklich sinnvoll ist.

warte mal kurz — der typ ist azubi mit 638€ und wir reden hier über BU versicherung und 10 monatsgehälter puffer 😂😂 bisschen mit kanonen auf spatzen oder?

tobi erstmal ausbildung fertig, dann 2-3 jahre vollgas sparen, dann schauen. mit 22-23 kannst du immer noch 6 monate weg und hast danach noch 40 arbeitsjahre vor dir. kein stress bro 👊

— Wer nix spart, hat auch nix 😄
Schnäppchensenator_Sven schrieb:warte mal kurz — der typ ist azubi mit 638€ und wir reden hier über BU versicherung und 10 monatsgehälter puffer

Das ist kein Widerspruch. Die BU gerade jetzt abzuschließen ist für einen 20-Jährigen in der Ausbildung finanziell am günstigsten — Beiträge von 30–50 € im Monat sind realistisch bei jungem Einstieg ohne Vorerkrankungen. Wer damit wartet bis er 30 ist und vielleicht schon Rückenprobleme oder was auch immer hat, zahlt deutlich mehr oder bekommt Ausschlüsse.

Das Sabbatical kann er danach planen. Beides schließt sich nicht aus, sondern das eine ist Vorbereitung für das andere.

Aber ja — der konkrete Sparplan für das Sabbatical beginnt sinnvollerweise nach der Ausbildung mit einem regulären Gehalt.

— Zinseszins ist kein Mythos. Rechnet selbst nach.
Zuletzt bearbeitet von Zeno F. am 27. Mai 2025, 05:59 – Grund: Tippfehler korrigiert
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