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Rürup ETF-Police Kosten verstehen – worauf beim Vergleich achten?

Kategorie: Altersvorsorge-und-Rente  ·  erstellt von Paul aus OWL  ·  31. Mär 2026, 09:58  ·  10 Antworten · 2303 Aufrufe

Moin zusammen 👋

Ich bin Lagerist, 29, und mach mir grad ernsthaft Gedanken um meine Altersvorsorge. Rürup soll ja für mich als Arbeitnehmer ohne Riester-Förderung ganz sinnvoll sein, wegen dem Steuerabzug. Hab mich jetzt bei zwei, drei Anbietern umgeschaut und krieg Angebote die ich ehrlich gesagt kaum durchsteige.

Konkret liegen mir auf dem Tisch:
- Angebot von einem Vermittler (Nürnberger Versicherung, fondsgebundene Rürup)
- Angebot direkt über Clark (hab die App mal ausprobiert)
- Und ich hab gelesen dass man sowas auch direkt bei Anbietern wie myLife oder Condor machen kann

Jetzt ist mein Problem: Bei jedem Angebot stehen da irgendwelche Prozentzahlen und ich weiß net genau was ich davon halten soll. Einmal steht da "Abschlusskosten 2,5%", dann "laufende Kosten 0,8%" und dann noch irgendwas mit "TER" vom Fonds selbst. Und am Ende kommt da noch ne Zahl die "Effektivkosten" heißt.

Meine Fragen:

  • Worauf soll ich beim Vergleich hauptsächlich achten?
  • Was sind akzeptable Werte bei den einzelnen Kostenpositionen?
  • Kann man die Effektivkosten direkt vergleichen oder gibt's da nen Hacken?

Ich zahl monatlich so 100-150€ ein, bin 31 und will bis 67 einzahlen. Also 36 Jahre Laufzeit. Da macht jedes halbe Prozent ja nen riesen Unterschied vermut ich mal 😅

Danke schonmal!

— Ich zähl jeden Cent. Is halt so.

Oh Gott, Rürup-Vertragsangebote lesen ist wie ne Ikea-Anleitung auf Arabisch 😅 Ich kenn das!

Also soviel ich weiß ist die Zahl die du wirklich vergleichen musst die Effektivkostenquote. Die steht seit 2015 Pflicht im Angebot drin (irgendein EU-Ding). Die fasst quasi alle Kosten zusammen – Abschluss, Verwaltung, Fonds – und rechnet dir aus, wieviel Prozent Rendite dir die Police jedes Jahr klaut.

Alles unter 1% Effektivkosten gilt als okay, unter 0,7% ist schon gut. Aber ich bin ehrlich, ich hab meinen eigenen Kram auch noch nicht 100% durchdrungen 😬 Wart mal auf die Stammuser hier, die wissen das besser.

— Mehr Einnahmen, mehr Möglichkeiten 💪

Nathalie hat Recht mit der Effektivkostenquote, ich ergänze das mal etwas.

Die Kostenstruktur einer Rürup-ETF-Police besteht tatsächlich aus mehreren Schichten:

  1. Abschluss- und Vertriebskosten: Werden meist auf die ersten 5 Jahre der Beitragssumme verrechnet ("Zillmerung"). Bei klassischen Vermittlerangeboten sind 2,5% der Gesamtbeitragssumme üblich – das klingt wenig, ist aber bei 36 Jahren Laufzeit ein fetter Batzen.
  2. Laufende Verwaltungskosten: Erhebt der Versicherer auf den Vertragswert oder auf die Beiträge, je nach Anbieter unterschiedlich. 0,2–0,5% p.a. auf das Fondsguthaben wäre akzeptabel.
  3. Fondskosten (TER): Kommt obendrauf. Ein MSCI World ETF kostet z.B. 0,12–0,20% p.a. Manche Anbieter haben aber nur teure aktive Fonds im Angebot – da wird gerne verschleiert.

Und dann gibt's noch Stückkosten (fixer Betrag pro Jahr, z.B. 36€), die bei kleinen Beiträgen überproportional reinhauen.

Die Effektivkostenquote sollte bei einem sauberen ETF-Rürup unter 0,8% liegen. myLife und Condor sind tatsächlich bekannt für günstige Nettotarife – da liegt man oft bei 0,4–0,6%. Bei einem Vermittlerangebot über die Nürnberger würde ich genauer hinschauen, welcher Tarif das konkret ist.

— Dispo ist kein Kredit – er ist eine Falle.

Was mich bei dieser ganzen ETF-Police-Diskussion schon immer stört: Man kauft einen simplen ETF, verpackt ihn in eine Versicherung, und zahlt dafür extra. Das Grundprinzip ist eigentlich absurd.

Dennoch – für den Steuerabzug kann es sich rechnen, das gebe ich zu. Bei 36 Jahren Laufzeit und konsequenter Nutzung des Sonderausgabenabzugs (2024 bis zu 27.566 € für Alleinstehende) kann der Steuervorteil die Kosten überkompensieren. Aber nur, wenn die Police wirklich günstig ist.

Mein Rat: Lassen Sie sich immer das vollständige Produktinformationsblatt geben und schauen Sie speziell auf die Zeile "Effektivkosten" – die ist gesetzlich vorgeschrieben und muss ausgewiesen werden. Alles über 1% würde ich nicht anfassen.

— Sparbuch war früher auch okay.

Ich möchte noch einen wichtigen Punkt ergänzen, der hier noch nicht erwähnt wurde: die Fondsauswahl im Tarif.

Es nützt wenig, wenn die Verwaltungskosten des Versicherers günstig sind, man aber nur in hauseigene Fonds mit 1,5% TER investieren kann. Das kommt leider noch vor. Achten Sie also explizit darauf, ob günstige ETFs (z.B. von iShares, Xtrackers, Amundi) im Tarif verfügbar sind und ob Sie flexibel wechseln können.

Konkret zu Ihren genannten Anbietern: myLife Rürup gilt in der Szene als sehr transparent und hat eine breite ETF-Auswahl. Condor ist ähnlich positioniert. Die Nürnberger hat je nach Tarif sehr unterschiedliche Konditionen – da kommt es stark darauf an, ob es ein Nettotarif (ohne eingerechnete Provision) oder ein Bruttotarif ist.

Übrigens: Bei 100–150€ monatlich und 36 Jahren Laufzeit machen 0,5% Kostenunterschied laut gängigen Rechnern am Ende tatsächlich 15.000–25.000€ Unterschied im Endkapital aus. Das ist keine Kleinigkeit.

— Wer früh spart, spart doppelt – das lehre ich auch meinen Schülern.
Zuletzt bearbeitet von Agatha am 01. Apr 2026, 16:53 – Grund: Rechenbeispiel konkretisiert

Okay krass, danke für die Antworten! Hab mir das nochmal genau angeguckt.

Also bei dem Nürnberger-Angebot vom Vermittler steht tatsächlich Effektivkosten 1,34% drin. Das klingt nach dem was ihr sagt eher mau oder? 😬 Und die Fondskosten kommen da nochmal extra drauf laut Kleingedrucktem, also ist die 1,34 quasi schon inklusive TER oder nicht?

Ich glaub ich muss den Typen nochmal anrufen und fragen ob das ein Nettotarif ist. Hatte von dem Begriff vorher noch nie gehört.

— Ich zähl jeden Cent. Is halt so.

1,34% Effektivkosten – ja, das ist zu viel. Für mich als Selbstständiger ist Rürup ja quasi Pflicht (Steuern sparen und so), und ich hab da echt lang verglichen bevor ichs abgeschlossen hab.

Kurze Einordnung aus meiner Recherche damals:

  • Unter 0,5%: Sehr gut, Nettotarife direkt beim Anbieter
  • 0,5–0,8%: Okay, akzeptabel
  • 0,8–1,0%: Schon grenzwertig
  • Über 1%: Lass es sein

Ich hab am Ende myLife genommen, Effektivkosten lagen bei mir bei ca. 0,52% inkl. TER für den iShares Core MSCI World. Die Effektivkostenquote muss laut Gesetz alle Kosten beinhalten, also auch die Fondskosten – wenn der Vermittler sagt "TER kommt extra", dann ist das entweder falsch ausgewiesen oder er erklärt dir das schlecht.

Frag mal explizit: "Sind in den ausgewiesenen Effektivkosten die Fondskosten enthalten?" Die Antwort muss ja sein, sonst ist was faul. 🚩

— Freiberufler-Steuern: Jeden Monat ein neues Abenteuer.

Die Effektivkostenquote ist tatsächlich per §2a VVG-InfoV gesetzlich standardisiert und muss alle Kosten inklusive Fondskosten enthalten. Das ist kein Ermessensspielraum.

PfennigfuchserPaul_OWL schrieb:Und die Fondskosten kommen da nochmal extra drauf laut Kleingedrucktem

Das klingt entweder nach einem Fehler in der Darstellung des Angebots oder – und das wäre problematischer – nach einem Vermittler, der die Effektivkosten ohne die tatsächlich gewählten Fondskosten ausweist (was bei manchen Pflichtangaben mit einem "Standardfonds" berechnet wird, nicht dem teuersten im Angebot). Das kommt vor.

Mein Rat: Fordern Sie ein schriftliches Angebot mit konkretem ETF (z.B. iShares MSCI World, ISIN IE00B4L5Y983) und lassen Sie sich die Effektivkostenquote für genau diesen Fonds ausweisen. Alles andere ist schwer vergleichbar.

— Nach Kosten und Steuern zählt nur die Nettorendite.

Hei Paul, bin auch Lagerist und hab mich letztes Jahr durch den gleichen Dschungel gekämpft 😄 Kleiner Tipp noch: schau dir auch die Beitragsfreistellungsoption an, also was passiert wenn du mal paar Monate nicht einzahlen kannst. Rürup ist ja eh schon unflexibel (kein Kapitalwahlrecht, kannst das Geld nie rausholen), aber manche Anbieter machen auch bei Beitragsfreistellung noch Kosten drauf.

Bei myLife und Condor gings soweit ich weiß kostenlos. Bei anderen hab ich gelesen dass die dann Stückkosten weiter berechnen auch wenn man nix einzahlt. Das kann bei nem 36-Jahres-Vertrag irgendwann relevant werden.

— Bin noch am lernen aber hey, jeder fängt mal an!

@ETF_Entdecker_Eddi guter Hinweis. Ich ergänze noch: Neben Beitragsfreistellung auch auf die Wechseloption achten. Sprich: Kann man den Versicherer wechseln? Bei Rürup ist seit 2005 ein Anbieterwechsel möglich (§93 EStG), aber nicht alle Policen erlauben das ohne Verluste. Manche Anbieter berechnen dabei Stornokosten oder "Übertragungsgebühren".

Und noch was zu den Abschlusskosten: Bei einem Bruttotarif über Vermittler werden die oft auf 60 Monate verteilt (Zillmerung). Das heißt, in den ersten 5 Jahren geht ein spürbarer Teil deiner Beiträge für Provision drauf statt ins Fondsguthaben. Bei einem Nettotarif ohne Provision – direkt beim Anbieter oder über einen Honorarberater – entfällt das komplett. Das ist der Hauptgrund warum Nettotarife bei gleichen Verwaltungskosten deutlich besser abschneiden.

— Dispo ist kein Kredit – er ist eine Falle.
Zuletzt bearbeitet von Marco F. am 03. Apr 2026, 12:16 – Grund: Tippfehler korrigiert

Sorry für die späte Ergänzung – aber ich lese gerade nochmal den Thread und möchte noch einen Punkt ansprechen, den alle übersehen haben: die Rentengarantiezeit und den Rentenfaktor.

Das Fondsguthaben am Ende ist das eine. Aber wie wird es verrentet? Der garantierte Rentenfaktor (in Euro pro 10.000€ Kapital) entscheidet, wie viel monatliche Rente Sie bekommen. Manche Anbieter locken mit günstigen Kosten, haben aber sehr niedrige garantierte Rentenfaktoren. Das ist dann wie ein Sparschwein mit einem Loch im Boden.

Aktuelle garantierte Rentenfaktoren liegen je nach Anbieter zwischen ca. 25 und 35 Euro pro 10.000€ angespartem Kapital. Alles unter 28 würde ich kritisch betrachten.

— Sparbuch war früher auch okay.
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