Ich bin Physiker, arbeite seit über 30 Jahren mit komplexen Daten und Modellen – und trotzdem fühle ich mich beim Thema persönliche Finanzen seit einigen Monaten zunehmend überfordert. Das liegt, glaube ich, nicht an der Komplexität des Themas selbst, sondern an der schieren Menge an widersprüchlichen Informationen.
Ich habe angefangen, systematisch YouTube-Kanäle zu schauen: Finanzfluss, Gerd Kommer direkt, Thomas Röhl, dann irgendwann auch kleinere Kanäle. Das Ergebnis: Einer empfiehlt einen reinen MSCI World, der nächste schwört auf MSCI World + EM 70/30, ein anderer sagt, man solle Small Caps übergewichten, und dann gibt es noch die Fraktion, die aktiv gemanagte Fonds verteidigt. Dazu kommen die Leute, die Einzelaktien mit Dividendenfokus propagieren, und natürlich die Krypto-Ecke, die ich weitgehend ignoriere.
Mein eigentliches Problem: Ich habe das Gefühl, nach 200 geschauten Videos weniger zu wissen als vorher. Jedes neue Video wirft eine neue Variable ein, die ich vorher nicht berücksichtigt hatte. Factor Investing, Currency Hedging, Rebalancing-Frequenz, Entnahmestrategie... Es hört nicht auf.
Wie geht ihr damit um? Habt ihr irgendwann einfach aufgehört zu konsumieren und etwas umgesetzt? Gibt es Quellen, denen ihr wirklich vertraut – also methodisch sauber und ohne offensichtliche Interessenkonflikte? Mich würde auch interessieren, ob jemand das Gefühl kennt, dass mehr Information hier tatsächlich zu schlechteren Entscheidungen führt.