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70/30 MSCI World + EM – ist das 2024 noch zeitgemäß oder überholt?

Kategorie: ETFs-und-Wertpapiere  ·  erstellt von Gerda M.  ·  12. Mär 2026, 11:51  ·  20 Antworten · 1363 Aufrufe

Hallo zusammen,

ich bin jetzt seit einem Jahr dabei und hab mich eigentlich schon entschieden: MSCI World + Emerging Markets, 70 zu 30. Das liest man ja überall, Finanzfluss, Reddit, hier im Forum – alle sagen das ist der Klassiker.

Aber jetzt hab ich angefangen mehr zu lesen und plötzlich steht da überall: ach eigentlich kannst du dir das auch sparen und einfach einen FTSE All-World nehmen, der macht das doch eh schon automatisch. Und dann lese ich wieder woanders, nein der 70/30 ist besser weil du die EM selbst gewichten kannst und so.

Ich blick da ehrlich gesagt nciht mehr durch. Ich bin keine Expertin, ich spar halt 150 Euro im Monat und will das möglichst einfach machen ohne dass ich dabei Geld liegen lasse.

Meine Fragen:
1. Macht der FTSE All-World das wirklich genauso wie 70/30?
2. Ist es wirklich egal welchen ich nehm oder gibts da echte Unterschiede?
3. Warum empfehlen dann noch so viele den 70/30 wenn ein ETF reicht?

Bitte keine zu komplizierten Erklärungen, ich bin Verkäuferin und kein Finanzprofi 😅

Hey Gerda, gute Frage – und nein, das ist nicht "egal welchen du nimmst", aber der Unterschied ist auch nicht riesig. Kurz erklärt:

Der FTSE All-World hat ungefähr 90% Industrieländer und 10% Schwellenländer (EM). Beim klassischen 70/30 mit MSCI World + EM machst du halt 30% EM statt ~10%. Du wettest also deutlich stärker auf Länder wie China, Indien, Brasilien usw.

Ob das besser oder schlechter ist – nobody knows 😄. Die letzten 10 Jahre hat der All-World gut performt, weil EM eher underperformt hat. Wenn Indien irgendwann durch die Decke geht, hättest du mit 70/30 mehr davon.

Für 150€ im Monat würd ich ehrlich gesagt den All-World nehmen (z.B. Vanguard FTSE All-World, ISIN IE00B3RBWM25). Ein ETF, kein Rebalancing-Stress, fertig. Die Komplexität des 70/30 lohnt sich erst wenn man wirklich eine Meinung zu EM hat.

— Firmenwagen oder Bahn? Die ewige Frage 🚗

alter was ich dazu sagen kann: ich hab genau dieses problem 2021 gehabt und mich dann für 70/30 entschieden weil alle sagten "mehr EM ist mehr chance" 😂

seitdem hat der MSCI EM mich so oft enttäuscht dass ich heute wahrscheinlich einfach den vanguard all-world nehmen würde. weniger gedöns, gleiche idee. china-risiko bleibt aber auch beim all-world, nur halt kleiner

für 150€/monat machst du dir mit zwei etfs auch noch unnötig arbeit beim steuerlichen, falls du mal umschichten willst. one-fund und chill imo 🤷

— Wer nix spart, hat auch nix 😄

Um das mal etwas zu strukturieren, weil ich glaube hier wird einiges durcheinandergeworfen:

FTSE All-World vs. 70/30 MSCI World + EM – die echten Unterschiede:

  • FTSE All-World: ca. 3.700 Aktien, EM-Anteil liegt aktuell bei etwa 11-12%
  • MSCI World: nur Industrieländer, ca. 1.500 Aktien
  • 70/30-Kombi: effektiver EM-Anteil von 30% – das ist fast dreimal so viel wie im All-World

Das ist kein kleiner Unterschied. Wer 70/30 macht, hat eine aktive Wette auf Schwellenländer. Das kann sich auszahlen – oder auch nicht.

Was die Kosten angeht: Der Vanguard FTSE All-World (thesaurierend, A2PKXG) kostet 0,22% TER. Ein MSCI World kostet oft 0,12-0,20%, ein EM-ETF 0,18-0,25%. Bei kleinen Sparraten ist der Unterschied vernachlässigbar.

Für jemanden der einfach anfangen möchte und keine starke Meinung zu EM hat: All-World ist die pragmatischere Wahl. Fertig.

— Nicht jede Versicherung braucht jeder. Ich sag's trotzdem.

@KaskoKiller_Konrad bro du hast das so gut erklärt dass ich fast verstanden hab worum's geht und ich studier BWL 💀

ernsthaft aber: gerda der grund warum alle noch 70/30 empfehlen ist meistens historischer momentum. das war mal DER tipp als der all-world noch nicht so verbreitet war. heute ist das bisschen wie "kauf dir einen discman weil der klang besser ist" – stimmt vielleicht irgendwie aber wer macht das noch?

ich selbst hab den ishares core msci world + EM combi weil ich damals zu faul war umzuschichten. hätte ich heute nochmal die wahl: ein vanguard all-world und gut ist 😂

Ich spar auch 150-200€ im Monat und hab genau diese Frage vor zwei Jahren gestellt 😅 Bin dann beim FTSE All-World geblieben (den von Vanguard, ausschüttend, weil ich das Geld auf dem Konto sehen will).

Was ich seitdem gelernt hab: Der psychologische Vorteil von einem ETF ist unterschätzt. Wenn du zwei hast, fängst du irgendwann an zu schauen "hm, der EM hängt gerade, soll ich mehr/weniger kaufen?" – und das kostet dich Energie und manchmal auch Geld durch unnötige Umschichtungen.

One-ETF-Lösung für Anfänger ist einfach ungeschlagen. ✌️

— Gebühren sind des Teufels 👿

Oh wow danke erstmal für die vielen Antworten! Ich versuch das zu verstehen.

Also wenn ich das richtig verstehe: mit 70/30 hab ich dreimal so viel in Schwellenländern wie beim All-World, und das ist eigentlich eine Wette die ich gar nicht bewusst machen will?

@PassatfahrerPatrick du hast den Vanguard FTSE All-World empfohlen – gibt's da nen Unterschied zwischen dem ausschüttenden und dem thesaurierenden? Das hab ich noch nciht ganz verstanden 😬

GeldphobeGerda schrieb:gibt's da nen Unterschied zwischen dem ausschüttenden und dem thesaurierenden?

Jap! Kurz gesagt:

Thesaurierend = Dividenden werden automatisch reinvestiert, du siehst nix auf dem Konto, wächst still vor sich hin. ISIN A2PKXG beim Vanguard.
Ausschüttend = Dividenden kommen aufs Konto, du musst sie selbst wieder anlegen wenn du willst. ISIN A1JX52.

Für einen Sparplan mit 150€ im Monat und langem Anlagehorizont: thesaurierend ist in der Regel sinnvoller, weil du den Zinseszins nicht unterbrichst. Steuerlich ist das seit 2018 (Investmentsteuerreform) auch weitgehend angeglichen, also kein riesiger Unterschied mehr – aber thesaurierend hat leicht die Nase vorn wenn man nicht regelmäßig reinvestiert.

— Firmenwagen oder Bahn? Die ewige Frage 🚗

ich hab das hier jetzt 3x gelesen und bin immer noch verwirrt lol 😵 ich kauf einfach was der sparplan meiner bank anbietet und hoff das beste. finanzbildung ist nicht mein ding aber fair play an alle die das hier durchblicken 👏

@PeterOhnePlan bro das ist der schlechteste finanzplan den ich je gelesen hab und ich hab schon WG-Kassenführer für 6 Leute gemacht 💀

ernsthaft aber: schau zumindest mal ob deine bank den Vanguard All-World im sparplan hat. bei Trade Republic und Scalable ist der drin, kostenlos besparen. wenn deine hausbank nur irgendnen komischen hauseigenen fonds anbietet: finger weg.

@GeldphobeGerda du machst das übrigens super! die frage nach thesaurierend vs ausschüttend zeigt dass du wirklich nachgedacht hast 👍

— Geld teilen in der WG ist Sport 🏅

Ich melde mich mal aus einer anderen Perspektive. Ich mache das schon seit 2015 mit dem klassischen 70/30 und werde nicht wechseln – nicht weil ich denke der All-World ist schlechter, sondern weil ich meinen Plan nicht ständig anpasse.

Was mich an dieser ganzen Diskussion stört: Alle tun so als wäre der FTSE All-World die offensichtlich bessere Wahl. Aber die EM-Underperformance der letzten Jahre ist kein Naturgesetz. Indien wächst, Indonesien wächst. Wer 2010 auf EM gewichtet hat, war jahrelang sehr gut dabei.

Mein Rat: Entscheide dich für eine Strategie und halte sie durch. Ob 70/30 oder All-World – das ist weniger wichtig als Konsequenz und Sparrate.

— Gold rostet nicht. Papiergeld schon irgendwie.

@GoldkäferGertrude da geb ich dir recht, die Konsequenz ist das Entscheidende. Aber ich würd's trotzdem nochmal differenzieren:

70/30 hat historisch gesehen von 2000 bis ca. 2010 sehr gut funktioniert – EM hat den World outperformt. Ab 2010 hat's gedreht. Ob's wieder dreht? Keine Ahnung, ich bin Maschinenbauer, kein Wahrsager 😄

Was mich am 70/30 stört: Du musst rebalancen. Wenn EM auf 20% fällt, musst du nachkaufen um wieder auf 30% zu kommen. Das klingt einfach, aber in der Praxis kaufen die meisten Leute dann lieber nix weil's sich schlecht anfühlt. Beim All-World passiert das automatisch.

Für 150€/Monat: All-World. Wenn jemand 50.000€+ anlegt und eine klare EM-Überzeugung hat: 70/30 kann Sinn machen.

— Schaffe, schaffe, Häusle baue – und ETFs kaufe.
Zuletzt bearbeitet von Hans-Georg M. am 28. Mär 2026, 05:45 – Grund: Klarstellung zum Rebalancing-Punkt ergänzt

Guten Tag,

ich verfolge diesen Thread mit Interesse, auch wenn ich zugeben muss, dass mir einige Abkürzungen nicht geläufig sind. Was ich aber aus 40 Jahren Berufsleben mitgenommen habe: Komplizierte Lösungen scheitern häufig an der Ausduer des Anlegers, nicht an der Strategie selbst.

Wenn Frau M. aus Bielefeld mit einem einzigen ETF ruhig schlafen und monatlich konsequent einzahlen kann, ist das jeder theoretisch optimierten Zwei-ETF-Lösung überlegen, die nach drei Jahren aus Verwirrung aufgegeben wird.

Das scheint mir der Kernpunkt dieser Diskussion zu sein.

@PensionärPetershofen Sehr schön formuliert, da stimme ich vollständig zu.

Ich hab das übrigens meiner Tochter genauso erklärt: Nimm einen ETF, leg jeden Monat was rein, schau nicht täglich drauf. Sie hat's gemacht und ist glücklicher als ich es je mit meinem bunten Depot aus zig Fonds war, für das ich einen Berater bezahlt hab der mir Gott weiß was verkauft hat.

Der FTSE All-World ist für Normalanleger das Beste was es gibt. Punkt.

— Mit 68 noch was dazulernen – warum nicht!

Da hier auch steuerliche Aspekte am Rande erwähnt wurden, möchte ich kurz ergänzen:

Bei einem thesaurierenden ETF fällt seit der Investmentsteuerreform 2018 jährlich die sogenannte Vorabpauschale an, sofern der Basiszins positiv ist – was er seit 2023 wieder ist (2024: ca. 2,29%). Das bedeutet, Sie müssen ggf. Liquidität für Steuerabzüge bereithalten, auch wenn Sie nichts verkaufen.

Bei zwei ETFs (70/30) entstehen zwei separate Vorabpauschalen-Vorgänge. Das ist kein Dealbreaker, aber ein administrativer Mehraufwand. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Einzelperson) sollte bei kleinen Sparraten zunächst durch Ausschüttungen oder Vorabpauschale ohnehin nicht überschritten werden.

Fazit aus steuerlicher Sicht: kein wesentlicher Unterschied, aber ein All-World-ETF vereinfacht die Steuererklärung marginal.

— Steuerliche Gestaltung ist kein Betrug – es ist Pflicht.

@RürupRudolf Danke für die steuerliche Einordnung, die fehlte noch.

Ich möchte ergänzen: Bei einem Sparplan über einen Broker wie Trade Republic oder Scalable wird die Vorabpauschale automatisch vom Verrechnungskonto abgebucht. Der manuelle Aufwand ist also tatsächlich minimal, solange man dort ausreichend Guthaben hat. Wer das vergisst, erlebt im Januar eine unliebsame Überraschung.

Für die Ursprungsfrage gilt: Beide Varianten sind steuerlich gleichwertig behandelt. Die Entscheidung sollte allein von der gewünschten EM-Gewichtung und der eigenen Disziplin abhängen.

— Sorgfalt zahlt sich aus – buchstäblich.

ich finds so schön dass hier auch mal jemand fragt ohne sich zu schämen 🌻 ich hab die gleiche frage vor einem Jahr gestellt und mich dann für den ishares MSCI ACWI entschieden (der ist ähnlich wie der all-world, auch ein ETF, billiger bei manchen brokern)

mein tipp: einfach mal auf justETF.com gehen und die beiden vergleichen! da siehst du in 5 minuten den unterschied in der gewichtung. das hat mir mehr geholfen als 100 forum-posts 😄💪

gerda du schaffst das!! ✨

— Klein sparen, groß träumen 🌻
Zuletzt bearbeitet von Wanda am 30. Mär 2026, 10:34 – Grund: Tippfehler

Ich versuch das nochmal kurz zusammenzufassen weil der Thread inzwischen lang ist:

Wann macht 70/30 Sinn?
– Du glaubst aktiv daran, dass EM in Zukunft besser läuft als Industrieländer
– Du hast genug Sparrate um das Rebalancing sinnvoll zu betreiben (grob ab 500-600€/Monat)
– Du weißt was du tust und machst es konsequent

Wann macht All-World mehr Sinn?
– Du willst Simplizität
– Du sparst unter 300€/Monat
– Du willst keinen Kopf damit haben

Für Gerda: All-World, thesaurierend, fertig. Vanguard A2PKXG oder iShares A2PKXG – warte, der iShares ACWI heißt A1JMDF. Beide gut. 😊

— Drei Monatsgehälter als Puffer – das ist Minimum, nicht Maximum.

Kurze Ergänzung zu den Kosten, weil ich das vermisse: Bei 150€/Monat Sparrate macht der TER-Unterschied zwischen einem All-World (0,22%) und einem 70/30-Kombi (ca. 0,15-0,18% gewichtet) ungefähr 60 Cent pro Jahr aus. Darüber muss niemand nachdenken.

Was aber Geld kostet: Wenn dein Broker pro Sparplan-Ausführung Gebühren nimmt. Zwei ETFs = doppelte Transaktionskosten. Bei Trade Republic oder Scalable Free ist das egal, da kostenlos. Bei einer Filialbank schon eher relevant.

— Jeden Euro zweimal umdrehen – das ist mein Sport.

Ich benutz Trade Republic und hab den Vanguard All-World thesaurierend im Sparplan seit 2022. Läuft. Keine Probleme, keine Gedanken, kein Rebalancing-Stress. 🤑

Was ich aber noch hinzufügen will: Der "Grund" warum 70/30 immer noch so viel empfohlen wird ist schlicht Tradition. Gerd Kommer hat das jahrelang propagiert, Finanzfluss hat's aufgegriffen, und jetzt ist's im kollektiven Gedächtnis. Ist nicht zwingend falsch – aber die Welt hat sich weiterentwickelt. Der All-World war vor 10 Jahren noch kaum verbreitet und teurer. Heute gibt's keinen echten Grund mehr für zwei ETFs wenn man keine starke EM-Überzeugung hat.

@GeldphobeGerda du liegst mit deiner Intuition "mach's einfach" goldrichtig 👍

— Geld zurück für's Ausgeben – ich liebe dieses System 🤑

sorry für necro aber ich wollte kurz updaten: ich hab meinen 70/30 vor 3 monaten auf einen vanguard all-world umgeschichtet. war steuerlich nicht ganz ohne (hab kurz geweint beim realisieren der gewinne lol 😭) aber jetzt ist ruhe im karton. gerda falls du das noch liest: mach's gleich richtig von anfang an, umschichten kostet später steuern 💸

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